WETTLAUF UM DAS ERSTE WINDRAD IN SALZBURG

25.03.2013

Energie: Die Salzburg AG hat von Leube die Rechte übernommen, auf dem Ofenauer Berg Windräder zu bauen. Der Landesumweltanwalt schließt den Standort weiter aus. Drei andere Projekte sind für ihn aber möglich.

STEFAN VEIGL GOLLING (SN). Schon in den 1990er-Jahren hat Zementhersteller Leube erstmals geplant, auf dem Ofenauer Berg in Golling Windräder zu errichten. Inzwischen wurde das Projekt zwei Mal auf Eis gelegt.

Seit einigen Monaten gibt es nun einen dritten Anlauf, wie Leube-Chef Rudolf Zrost bestätigt: „Betreiber wird jetzt die Salzburg AG sein.“ Obwohl Leube auf dem Ofenauer Berg Grundeigentümer ist, weil dort das zur Firma gehörende Tagger-Kalkwerk liegt, sei ein Windpark wirtschaftlich uninteressant, sagt Zrost. „Rentabel würde ein Windkraftwerk für uns erst nach 18 Jahren. Aber die Anlage hat nur eine Lebensdauer von 20 Jahren.“

Salzburg-AG-Vorstand Leonhard Schitter ist es hingegen „ein Anliegen, in Ökoenergie zu investieren“. Der Energieversorger plant zwei Anlagen mit jeweils zwei Megawatt (MW) Leistung, die insgesamt fünf Millionen Euro kosten sollen.

Laut Schitter will man beim heiklen Thema Vogelzug neue Wege gehen: „Wir wollen eine Monitoringanlage aufstellen: Da würden wir Sensoren einbauen, sodass sich die Anlage automatisch abstellt würde, wenn Vögel in der Nähe sind.“

Aktuell führt die Salzburg AG Vereisungsmessungen bei ihrem zweiten geplanten Wind-Standort, auf dem Windsfeld in Flachau, durch. Die Erkenntnisse daraus sollen auch beim Projekt in Golling einfließen. Schitter: „Derzeit schaut es beim Ofenauer Berg besser aus als auf dem Windsfeld. Wenn wir optimistisch sind, wäre im Laufe des Jahre 2014 ein Baubeginn in Golling möglich.“ Das wäre dann das erste Windrad, das sich in Salzburg dreht.

Landesumweltanwalt Wolfgang Wiener bleibt aber bei seinen Bedenken: „Ökologisch ist der Ofenauer Berg für mich ein Ausschlussgebiet für Windkraft. Denn es ist eines der am besten besiedelten Vogel- und Fledermausgebiete Salzburgs.“ Außerdem führe dort eine Hauptvogelzugroute durch und links und rechts davon seien Natura-2000-Gebiete, sagt der Experte.

Bei den anderen drei laufenden Projekten – neben dem Windsfeld noch auf dem Kolomansberg in Thalgau und am Aineck im Lungau – ist Wiener kompromissbereit: „Zähneknirschend würde ich an allen drei Standorten Windräder akzeptieren – wenn es Ausgleichsmaßnahmen gibt.“

Diese Ansage freut auch Franz Kok, der mit den von ihm gegründeten Firmen Kolowind und Samsonwind hinter beiden anderen Projekten steht.

Kok rechnet damit, dass es auch auf dem Kolomansberg bald losgeht: Geplant ist dort ein Windrad mit 1,8 MW Leistung um drei Millionen Euro. Kok: „Wenn die Politik will, könnten 2014 die Bescheide vorliegen, und wir könnten im Herbst bauen.“

Auch bei den geplanten Windrädern am Aineck in St. Margarethen ist laut Kok ein Baubeginn 2014 in Reichweite – „wenn Gemeinde und Land heuer noch die Bescheide auf den Weg bringen.“ Am Aineck sollten drei Windräder mit je drei MW Leistung errichtet werden. Kok: „Seit dem jüngsten Erneuerbare-Energie-Ausbaugesetz können wir nur mehr Anlagen mit je 2,3 MW bauen, weil es einen Mindestwert für die Volllaststunden gibt, den wir mit größeren Rotoren nicht schaffen. Der Wind-Maximalertrag dort könnte höher sein.“ Investieren will die Samsonwind GmbH elf Millionen Euro.

Bei diesem Projekt sei dem Land angeboten worden, ein Vogelradar zu installieren, das eine halbe Million Euro koste, sagt Kok. „Es kann den alpenquerenden Vogelzug vermessen und quantifizieren. Und es identifiziert anfliegende Großvögel und schaltet die Anlage ab, um die Tiere zu schützen. Wir warten seit einem halben Jahr auf eine Antwort vom Land, ob man das will.“

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