Lungau: Neuer Vorstoß für drei Windräder

03.02.2011

Ab 2014 könnte es mit der Nutzung der Windenergie am Aineck ernst werden — ein konkretes Projekt liegt fertig in der Schublade

Technisch und meteorologisch haben wir schon seit acht Jahren die Planungen zur Nutzung von Windenergie in Salzburg in der Schublade“, sagt Samsonwind-Projektbetreiber Franz Kok im SF-Gespräch. Trotz positivem Grundsatzbeschluss der Gemeinde St. Margarethen für eine Sonderflächenwidmung am Aineck zieht sich das Projekt aber weiter in die Länge. Schuld daran seien die wechselnden politischen Meinungen, ob Windkraft in Salzburg nun forciert oder gebremst werden solle, erläutert Projektbetreiber Kok. Es fehle an klaren politischen Richtungsvorgaben. Kok: „Ich würde mir wünschen, dass man sich in Salzburg überlegt, wo man in Sachen erneuerbarer Energie hin will. Hier hat man manchmal den Eindruck, dass die Koalitionspartner nicht immer am selben Strick ziehen. Dort, wo die eine Partei Präferenzen hat, hat die andere schon wieder einen Grund dagegen zu sein. Hier sollte man versuchen, raus zu kommen.“
Die Einstellung der Menschen zu erneuerbaren Energieformen wie der Windkraft liegen jedenfalls klar auf der Hand. Laut Umfragen sind 85 Prozent der Menschen für die Nutzung der Windenergie.
Am Aineck warten die Projektbetreiber jetzt darauf, dass die Gemeinde St. Margarethen das Verfahren um die Ausweisung der benötigen Sonderflächen in Gang setzt.

Langwierige Behördenverfahren
Als erster Schritt ist eine Umwelterheblichkeitsprüfung nötig, die von der Raumordnungsabteilung des Amtes der Salzburger Landesregierung aufgrund des Beschlusses der Gemeindevertretung in die Hand genommen wird. Nach Bestehen der Umwelterheblichkeit kann ein Umweltprüfungsverfahren eingeleitet werden. Auf dieser Grundlage soll später die Sonderflächenwidmung erfolgen. Danach muss die Naturschutzentscheidung abgewartet werden. Eine Entscheidung sollte bis 2012 möglich sein, hoffen die Betreiber. Die Errichtung der Windkraft-Anlage am Aineck selbst dauert nur etwa zwei bis drei Tage. Die Wegerschließung am Aineck ist bereits vorhanden.

Zeitplan steht

Projektbetreiber Franz Kok wartet seit acht Jahren auf die Behördenverfahren. 	Foto: C. ArchetProjektbetreiber Franz Kok wartet seit acht Jahren auf die Behördenverfahren.
Foto: C. Archet

Wenn die Behördenverfahren also im Jahr 2011 in Gang kommen und 2012 die Bescheide vorliegen, habe man dann ein Jahr Lieferzeit, um die Anlagen 2014 zu errichten, lautet der Zeitplan von Samsonwind. Die Finanzierung der Projekte sei jedenfalls kein Problem. Kok: „Es ist beachtlich, wie viele Leute sich bei uns melden und sagen, sie würden sich gerne an so einem Projekt beteiligen. Hier sieht man die Bereitschaft der Bürger, dabei zu sein.“

Exkursion nach Magdeburg
In dieser Woche reisen Gemeindevertreter aus St. Margarethen und Vertreter von Samsonwind ins deutsche Magdeburg, um sich beim Windkraftanlagenbauer „Enercon“ über Funktion und Technik näher zu informieren. Enercon soll die Anlage für das am Aineck geplante Windkraftwerk liefern.
Die drei Windräder am Aineck sollen drei Megawatt Leistung bringen und einen Rotordurchmesser von 82 Metern aufweisen. Dabei arbeiten die Windräder mit einer variablen Drehzahl, die noch bei Windgeschwindigkeiten bis zu 130 km/h Strom produzieren. Windkraftanlagen mit sogenannten Getriebesystemen müssen dagegen bei 100 km/h stillgelegt werden. Die getriebelosen Systeme können die starken alpinen Föhnströmungen dagegen noch verwerten. Das Rotorblattkonzept dieser Windenergieanlagen setzt hinsichtlich Ertrag, Schallemission und Lastenminimierung Maßstäbe für den Stand der Technik in der Windenergietechnologie. Durch eine veränderte Geometrie nutzen die Blätter auch den inneren Teil der Rotorkreisfläche und steigern die Energieausbeute erheblich. Darüber hinaus sind die Rotorblätter weniger anfällig für Turbulenzen und stellen eine gleichmäßige Umströmung auf der ganzen Länge des Blattprofils sicher, verspricht der Hersteller. Bleibt immer noch die Gefahr von Eiswurf. Kok: „Das ist immer ein Thema. Hier muss man die Position der Anlagen so wählen, dass niemand gefährdet wird.“ Zum anderen werde die Anlage bei Eisansatz abgestellt. „Die neuen Modellen besitzen aber auch schon beheizte Rotorblätter, sodass mögliche Vereisungsteile abfallen und nicht weggeschleudert werden“, erklärt Franz Kok den Stand der Technik.
Auch namhafte Salzburger Unternehmen sind mittlerweile im Zulieferbereich der Windkrafttechnik erfolgreich tätig, wie etwa der Kranhersteller Palfinger oder das Maschinenbauunternehmen Geislinger. Das werde in Zukunft sicher auch mehr werden, erwarten die Windkraftbetreiber.

So wie auf dieser Fotomontage könnten die Windräder am Aineck aussehen.	Foto: Kok
C. Archet

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