Die Klimaerwärmung ist Realität

30.10.2011

Die globale Erwärmung ist Realität. Zu diesem Schluss kamen nun Klimaskeptiker, die durch eine neue Studie eigentlich das Gegenteil beweisen wollten.

Über den Klimawandel kann man lange und heftig diskutieren – zahlreiche physi­kalische Details sind noch nicht ausrei­chend geklärt. Viele sogenannte Klima­skeptiker haben sich freilich bisher nicht einmal auf eine inhaltliche Diskussion eingelassen: Sie bezweifelten vielmehr grundsätzlich, dass sich die Erde überhaupt er wärme.
  Und zwar mit durchaus nachvollziehbaren Ar­gumenten: Erstens würde rund ein Drittel aller Messstationen weltweit eher auf eine Abkühlung als auf eine Er wärmung hindeuten. Zweitens würde sich der Großteil der Klimastationen in städtischen Regionen befinden – und Städte sind bekanntlich „Hitzeinseln“, dort ist es wärmer als im Umland. Und drittens seien Langzeitmessungen bei vielen Messstationen nicht verlässlich, weil sich über die Jahrzehnte das Umfeld verändert – neue Straßen fangen Sonnenwärme ein, höher gewachsene Bäu­me produzieren mehr Verdunstungskälte etc.
  Eine Gruppe von K limaskeptikern rund um Ri­chard Muller (University of California, Berkeley) hat nun genau diese Kritikpunkte unter die Lupe genommen: Sie haben in dem Forschungsprojekt „Berkeley Earth Surface Temperature“ versucht, mehr Daten von Messstationen als bisher zu inte­grieren. Viele Daten waren von den etablierten K li­maforschern weggelassen worden, weil sie ihrer Meinung nach zu wenig aussagekräftig und lang­zeitstabil seien. Durch ein neues statistisches Ver­fahren konnten die Forscher nun auch solche Da­ten integrieren – in der Vor woche haben sie ihre Datenbank mit 1,6 Milliarden Messpunkten von 39.390 Stationen an Land veröffentlicht.
  Das Außergewöhnliche an dieser Studie: Alle Forscher waren Neulinge in der Klimaszene, sie waren also nicht Teil des „Establishments“. Zudem wurde die Studie von Klimaskeptikern finanziert – u. a. von einer Foundation aus dem Umfeld des Öl­konzerns Koch Industries (deren Patron David Koch die konser vative „Tea Party“ unterstützt).
  Die Ergebnisse haben die Forscher „über­rascht“, so Muller. Der Er wärmungstrend decke sich sehr genau mit bisherigen Analysen: Demnach hat sich die Landoberfläche seit Mitte der 1950er­Jahre um 0,911 Grad er wärmt. Die von den Skepti­kern angeführten Argumente spielten zwar ein Rol­le, doch ihr Einfluss sei zu schwach, um die Mes­sungen zu erklären. Und: Der Er wärmungstrend zeige sich an allen Messstationen weltweit.
  Fazit : Die globale Er wärmung der letzten Jahr­zehnte ist Realität, den Kimaskeptikern gehen schön langsam die Argumente aus. Sie müssen sich nun endgültig in das Herz der Debatte bewegen: nämlich zu den Ursachen des Klimawandels.
diepresse.com/wortderwoche

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