Die Energiewende findet auf dem Land statt

12.08.2013

Von helmut uwer  berlin (SN). „Die Energiewende findet auf dem Land statt.“ Mit diesen Worten lobt Werner Frohwitter, Pressesprecher der Firma Energiequelle, die umweltfreundliche Energieversorgung in Feldheim. Was jedoch in dem kleinen Dörfchen südwestlich vor Berlin funktioniert, kann kaum  als Modell für das ganze Land herhalten. Dafür ist Feldheim mit seinen rund 130 Einwohnern dann doch zu klein.
Den Strom bezieht Feldheim aus einer Windkraftanlage mit 43 Windrädern, die direkt neben dem Dorf auf einer „Höhenlage“ von 150 Metern liegt, was in Brandenburg schon als hoch gilt. Der höchste Berg Brandenburgs misst gerade einmal 201,4 Meter. Allerdings fließt laut Frohwitter nur ein Bruchteil von rund  einem halben Prozent des produzierten Stroms nach Feldheim. Der ist aber mit 16,6 Cent pro Kilowattstunde fast zehn Cent günstiger als andere Anbieter. Der Rest geht ins öffentliche Netz.
Die Energiewende hat in Feldheim schon 1997 begonnen. Damals errichtete die Firma Energiequelle hier ihr erstes Windrad. Inzwischen produziert die auf 43 Stück  gewachsene Anlage  pro Jahr  rund 140.000 Megawattstunden Strom.
Mit der alternativen Energieherstellung  tagtäglich vor den Augen begann die örtliche Agrargenossenschaft irgendwann über den Bau einer eigenen Biogasanlage  nachzudenken. Man setzte sich mit dem Initiator der Windräder und Energiequelle-Mitinhaber Michael Raschemann zusammen und tüftelte an einem  Konzept.
Raschemann  fand heraus, dass man mit den 4,3 Millionen Kilowattstunden Wärme aus der Biogasanlage nicht nur die Schweineställe und die Genossenschaftsbüros heizen konnte, sondern auch noch das gesamte Dorf. Mit Ausnahme einer Familie, die mit Erdwärme heizt, schlossen sich dann auch alle an das neue Heiznetz an. Für besonders kalte Wintertage steht zusätzlich eine Holzhackschnitzelanlage bereit.
Es war  nur eine Frage der Zeit, bis die Bewohner Feldheims auch den vor der eigenen Haustür produzierten Windstrom direkt nutzen wollten. Das war jedoch gar nicht so einfach, weil der zuständige Netzinhaber sein Netz nicht zur Verfügung stellen wollte.
  Also entschlossen sich die Dorfbewohner, eben ihr eigenes Stromnetz zu bauen. Dafür investierte jeder Haushalt 3000 Euro. Verwirklicht werden konnte das 1,7 Millionen Euro teure Projekt dann mithilfe von Fördermitteln der Europäischen Union und des Landes Brandenburg. Mit zwei Ausnahmen beziehen jetzt alle Ökostrom von den Windrädern „vor der Haustür“.
Feldheim, ein Ortsteil der Gemeinde Treuenbrietzen, ist längst zum Anlaufpunkt für Ökotouristen geworden. 3000 Besucher strömen jährlich in das kleine Dorf, in dem es weder Einkaufsmöglichkeiten noch einen Gasthof gibt. Dafür gibt es einen kleinen Container, wo der Förderverein Neue-Energien-Forum Feldheim geführte Touren durch das Ökodorf in Deutsch, Englisch, Spanisch und Französisch anbietet. Japanisch ist noch nicht dabei, obwohl nach dem Unglück in Fukushima viele Japaner gekommen seien, erzählt Frohwitter. Wegen des großen Andrangs baut der Verein derzeit den alten Gasthof zu einem Schulungszentrum um.
Feldheim ist ein in vielerlei Hinsicht besonderes Dorf. Es ist nicht nur energieautark. Es herrscht auch Vollbeschäftigung. Die Agrargenossenschaft hat  30 Leute auf ihrer Lohnliste und das zur Energiequelle gehörende Unternehmen EQ-SYS zählt  20 Angestellte.
  Das Sonderbarste in Feldheim  ist allerdings die Tankstelle für Elektroautos. Denn Elektroautos gibt es hier nicht.  Doch ein Mal im Jahr wird trotzdem kräftig Strom an dieser Tankstelle gezapft.  Denn dann finde eine Rallye für Elektroautos statt  und außerdem gebe es sehr viele Touristen, die  mit Elektrofahrrädern unterwegs seien, fügt Frohwitter hinzu – die müssten schließlich auch tanken. 

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